Bamberger Thema

Das Gendersternchen im Kackbeutel der CSU 29.05.2019
Klatsch+Tratsch, Aktuelles, BA-Thema
Was die Bamberger Politik wirklich bewegt: Die öffentliche Verdammung gendergerechter Formulierungen und 45.000 Euro für Hundekackbeutel auf Rollen.

Glosse

„Die teutsche Grrrrrammatik muss als teutsches Kulturrrrgut geschützt werden, und wir brrrrrauchen eine sauberrrre Stadt!“

Okay, das Zitat ist erfunden, könnte aber von der CSU-Stadtratsfraktion stammen. Die kümmert sich nämlich um die wesentlichen Belange unserer Zeit und reichte kürzlich zwei bahnbrechende Anträge ein:

  • Kostenlose Hundekottüten für alle, und
  • Ablehnung geschlechtergerechter Sprache mit I, * oder _.

Hundescheiße ist augenscheinlich das zentrale Gedankengut, das die Bamberger CSU umtreibt, ... also natürlich die Beseitigung derselben, ... also nicht aus den Gehirnen in der CSU, sondern von den Straßen und Wegen in Bamberg. Deshalb sollen künftig alle Hundebesitzer (selbstredend inklusive Hundebesitzerinnen) persönlich Kackbeutelrollen ausgehändigt bekommen, und zwar über den Einzelhandel.

Der Antrag ist wohl durchkackt, äh, durchdacht und genau berechnet. Zitat: „Nach veterinärmedizinischen Literaturangaben kackt ein Hund 2,66 Mal am Tag und Bamberg hat circa 2300 Hunde, so dass maximal 2,23 Millionen Tüten benötigt würden.“ Die kosten laut CSU dann 45.000 Euro und sind nach Ansicht der CSU sinnvoll investiertes Geld aus dem städtischen Haushalt.

Selbstverständlich sollen die Beutel „biologisch abbaubar“ sein, und der phantasiereiche Leser erfreut sich Seit an Seit mit der vorstellungsbegabten Leserin schon jetzt darüber, wie mehr als 2 Millionen appetitlich befüllter „Hundekottüten“ (womöglich mit CSU-Werbelogo?) die Bamberger Kompostierungsanlage olfaktorisch bereichern.

Der Verunreinigung des Kulturguts deutscher Sprache stemmen sich zwei Stadträte (ganz ohne I oder * oder _), nämlich Fraktionsvorsitzender Dr. Helmut Müller und Stadtrat Prof. Dr. Gerhard Seitz, entgegen. Die akademischen Grade seien hier wie im Antrag ausdrücklich genannt, denn es geht um nichts weniger als die „Einhaltung der allgemein gültigen Regeln der deutschen Rechtschreibung“, um wissenschaftlich befürchtete „schädliche Auswirkungen auf das Lesen- und Schreibenlernen in den Grundschulen“ und um „grammatische Folgeschäden“. Das Sendungsbewusstsein der Herren ist groß: Der Stadtrat soll in einer hochoffiziellen Erklärung die Zumutungen gegenderter Sprache verdammen und dies allen Welterbestädten im deutschsprachigen Raum sowie im Bayerischen und Deutschen Städtetag kundtun.

Müller und Seitz analysieren mit hoher sozio-linguistischer Kompetenz, dass Binnen-I, Gender* und Unterstrich_ die Gleichberechtigung von Männern und Frauen nicht fördern, sondern von ihr ablenken, weil sie natürliches Geschlecht und grammatisches Geschlecht verwechseln. Das sagen Männer einer von Genderpolitikfolgeschäden völlig freien Partei, die seit Jahrzehnten standhaft eine innerparteiliche Frauenquote ablehnt, deren Minister Seehofer sich stolz mit seiner ministeriell-männlichen Führungsriege in Szene setzt und deren intersexuelle Toilettensensibilität seit dem jüngsten AKKarneval hinlänglich bekannt ist.

Klar eigentlich, dass für eine solche Politik nicht nur Scheiße, sondern auch die Verteidigung maskuliner Grammatik oberste Priorität hat.

sys



Zur Übersicht: Bamberger Themen
Christian Kleimann schrieb am03.06.2019 08:38 Uhr folgenden Kommentar:
Chapeau! Sehr nett geschriebener Artikel!

Wenn das die wichtigsten Sorgen der örtlichen CSU sind, dann lebe ich wohl in einem anderen Bamberg...

In meinem Bamberg fehlt es an erschwinglichem Wohnraum und an Kinderbetreuungseinrichtungen.

Aber vielleicht nimmt sich die CSU dieser nachrangigen Probleme an, wenn sie sich lange genug mit "Scheiße" beschäftigt haben.

Hier den eigenen Kommentar eingeben

Bitte alle Felder ausfüllen. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.






CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Zur Spamvermeidung bitte das Wort aus dem
Feld oben in das Feld unten eingeben.
Wenn das Wort nicht lesbar ist,
bitte hier klicken.

*