Bamberger Thema

Ein großes Weiter und ein kleines Anders 6.06.2019
Klatsch+Tratsch, Aktuelles, BA-Thema
Christian Lange ist OB-Kandidat der CSU. Sein Slogan „weiter.anders“ verspricht ein ausgeprägtes Ungleichgewicht. Sein profiliertestes Merkmal scheint der Standort seiner Geburtsklinik zu sein.

Kommentar

Endlich ist es amtlich: Dr. Christian Lange ist Oberbürgermeister-Kandidat der CSU für 2020. Weniger weil er der schwarze Traummann für den Job ist, eher weil alle anderen in Habachtstellung auf die Positionierung des amtierenden OB Andreas Starke warteten. Mitten in dieses allgemeine christsoziale Zaudern warf Lange schon im Februar überraschend seinen Hut. Allerorten in der CSU war man verärgert, verschnupft oder zumindest erstaunt. Aber irgendwie kam man dann am Ende doch nicht mehr um Langes forsche Dreistigkeit herum, zumal Starke bis heute noch keine Zukunftspläne erkennen lässt und deshalb auch die CSU-Favoritin Melanie Huml sich verschanzte und nun wohl lieber noch eine Wahlperiode in ihrem Ministierium in München schmollt.

Die Nominierungsversammlung war – glaubt man dem lokalen Pressebericht – bis ins Detail dramaturgisch durchgestaltet und sollte einen fulminanten Wahlkampfauftakt geben. Mal sehen, wie lange die getrimmte Hochstimmungsfassade der sommerlichen Hitze standhält.

Immerhin nicht nur Show, sondern auch eine Art Programm stellte Lange vor: Von einem Mobilitätskonzept über ein neues Bildungsreferat und mehr Kinderganztagsbetreuung bis hin zu einer Belebung der Kulturszene und – natürlich – mehr Klimaschutz war laut Pressebericht die Rede. Und natürlich davon, dass die CSU sich als die Wirtschaftspartei versteht, was erfahrungsgemäß bedeutet, dass die große Wirtschaft pfeift und die CSU hechelt – und damit zur Bamberger SPD und OB Starke passt wie ein Zwillingshündchen zum anderen.

Abgesehen von aller notwendigen Programmatik lohnt sich bei einem amtierenden Zweiten Bürgermeister wie Christian Lange, der seit 2014 das Schul- und Kulturreferat inne hat, schon auch ein Blick seine Amtstätigkeit: Die Bamberger Schulen klagen wie eh und je zu Recht über dringende Sanierungsbedürftigkeit, erhalten parallel zu dieser Klagetradition langsam und bedächtig Reparaturen bis Neubauten. Es herrscht kein Stillstand, aber man hat eher den Eindruck, dass der Finanzreferent Felix hier die Zügel in der Hand hält und nicht der Schulreferent Lange.

Auch in der Kultur sucht man lange nach Langeschen Spuren: Die aktuelle Kulturszene in Bamberg ist beachtlich, aber alles Neue im letzten Jahrzehnt sind Initiativen, die eher gegen die Stadtverwaltung trotzen, als dass sie von deren Unterstützung profitieren: Die Leute vom Kunstraum Kesselhaus hatten sich hart durchsetzen. Die Initiative KONTAKT-Festival muss mutig um jedes kleine Zugeständnis ringen. Die freie Kunst- und Theaterszene murrt aktuell wegen viel zu wenig Unterstützung im Vergleich zu den großen Bamberger Kulturbombasten Symphoniker und E.T.A.-Hoffmann-Theater. Auch ein mögliches Kulturquartier Lagarde stieß und stößt im Rathaus auf eine Mauer von Bedenken und Einwänden. Und nicht ein Cent Kulturförderung aus der EU floss nach Bamberg.

Fazit: Referent Lange verwaltet sein Ressort, indem er bestenfalls auf Impulse von außen reagiert und diese nicht bremst. Er ist Teil der GroKo aus CSU und SPD und hier bislang nicht als Kämpfer für Visionen und Ideen in Erscheinung getreten. Bisherige Ergebnisse dieser Politik sind bekannt – man kann sie mögen oder nicht.

Von Lange als OB anderes oder mehr zu erwarten, wäre sehr verwegen. So gesehen ist es wenig spekulativ, wenn man seinen Slogan für die Nominierungsversammlung (und auch für den Wahlkampf?) „weiter.anders“ mit einem sehr großen Weiter und einem sehr kleinen Anders interpretiert.

Den tatsächlich feststellbaren Hauptunterschied zu seinem vermuteten Gegenkandidaten Starke formulierte Lange in seinem Hinweis darauf, dass er ein gebürtiger Bamberger sei und Starke aus Bremen komme. Ein politischer Bewerber, der so tief in die populistische Klamottenkiste greifen muss, um sich zu profilieren, oder hinter diesem Umstand am Ende gar wirklich ein Qualitätsmerkmal wittert – was soll man da noch kommentieren?

Die Autorin dieses Artikel, selbst gebürtige Bambergerin, kann dem Bamberger Christian Lange jedenfalls schon mal versichern: Es – ist – einfach – nur – ZUFALL-!!! Und den guten Ratschlag: Wir sollten uns echt nichts drauf einbilden!

sys



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Scheinheiligundgrün schrieb am25.06.2019 21:26 Uhr folgenden Kommentar:
Wieso ist eigentlich auch die GAL in Habachtstellung und nennt ihre Kandidatin oder ihren Kandidaten nicht? Oder geht die GAL etwa taktisch vor? Oder noch schlimmer: Stimmt das Gerücht, dass es zu viele zerstrittene, teilweise sogar autoritär fungierende OB-Kandidaten (ich verwende bewusst nicht das Femininum) der GAL gibt, dass man hier noch manches Taktieren erwarten kann?
GAL Bamberg schrieb am26.06.2019 10:36 Uhr folgenden Kommentar:
Hallo Herr oder Frau (?) Anonymous,

dass die Stadt nur noch über die OB-Kandidaturen und nicht darüber spricht, was aktuell zu tun ist um die Stadt voranzubringen (Wohnraum, Tourismus, Ökologie, Bürgerbeteiligung) ist schade.
Wir sind überzeugt, dass die Stadt keinen überlangen Wahlkampf braucht, sondern konzentrierte Arbeit an den wichtigen Themen.
Sicher werden wir uns in nächster Zeit auch zur Kandidaturfrage äußern.
Autoritäre Strukturen sind uns übrigens fremd, kommen Sie doch einmal vorbei (dann gerne ohne anonyme Maske)!

Grüße
die GAL

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