BAmberger Thema

Wie kriegt man nur die Autofahrer vom Strich? 8.03.2018
Verkehr, Aktuelles, BA-Thema
Der Tagesordnungspunkt anlässlich des GAL-Antrags „Tempo 30 in der Kloster-Banz-Straße wirkungsvoller durchsetzen“ führte samt Sitzungsvortrag zu einem beachtlichen Mix aus Zufriedenheit, Erstaunen, Kopfschütteln und Fassungslosigkeit.

Bericht aus dem Umweltsenat

Zufriedenheit, weil die Stadtverwaltung den GAL-Antrag immerhin insoweit umsetzen will, als künftig das Parken von Autos mit zwei Reifen auf dem Radweg unterbunden werden soll. Das ist erstens gut für die Radwegnutzenden, weil ihr Radweg verbreitert wird und die Gefahr plötzlich geöffneter Autotüren weniger Raum greift. Und es verschmälert zweitens die Fahrbahn für die Autofahrenden, was automatisch zu einer Temporeduzierung, also hoffentlich zu einer besseren Einhaltung der schon jetzt vorgeschriebenen Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h führen wird.

Erstaunen, weil die Stadtverwaltung irgendwie wohl annimmt, dass den in der Kloster-Banz-Straße parkenden Autofahrer*innen diese Neuregelung von einem guten Geist des Nächtens eingeflüstert wird. Jedenfalls hält die Stadtverwaltung es nicht für nötig, den weißen Strich, der bisher vermeintlich eine Parkplatz-Begrenzung auf dem Radweg darstellt, zu entfernen und so deutlich zu machen, dass Radweg Radweg ist und nicht Parkplatz. Die Tatsache, dass der Strich bleibt, in Kombination mit der Tatsache, dass „der Mensch, insbesondere der Auto fahrende Mensch, ist ein Gewohnheitstier ist“ (GAL-Stadtrat Tobias Rausch in der Sitzung), lässt also schon fragen: Wie kriegt man nur die Autofahrer*innen vom Strich?
Dass der Strich künftig nicht mehr zur Orientierung, sondern quasi nur noch zur Deko dient, werden die Parkenden wohl dann realisieren, wenn sie das erste Knöllchen unter dem Scheibenwischer finden und sich vermutlich maßlos ärgern. Die Stadtverwaltung will die „Neuregelung“ tatsächlich per PÜD durchsetzen. Man darf gespannt sein.

Kopfschütteln, weil Ordnungsreferent Haupt sich in diesem Zusammenhang noch zu der juristisch interessanten Interpretation hinreißen ließ, dass Radfahrende auf dem Radweg schon ein Stück weit auch selber darauf aufpassen müssten, dass die Türen von parkenden Fahrzeugen sich plötzlich öffnen und ihnen den Weg versperren können.

Fassungslosigkeit, weil die Stadtverwaltung ein ziemlich seltsames Verständnis von Geschwindigkeitsüberwachung hat. Die GAL hatte aufgrund eines Bürgerhinweises beantragt, die derzeitigen Tempo-Messstationen in der Kloster-Banz-Straße an geeignetere Orte zu verlegen, weil die jetzigen nicht repräsentativ für die gefahrenen Geschwindigkeiten sind. Eine befindet sich an einer Straßen-Engstelle, an der in der Regel automatisch abgebremst wird, die andere in der Nähe einer Ampel, wo bei Rot die Autos überhaupt erst anfahren und deshalb naturgemäß das Tempo nicht überschreiten. Die umwerfende Begründung der Stadtverwaltung, warum sie an den bisherigen Messstationen festhalten will, war, dass die Verstoßquoten an diesen Stellen ja sehr niedrig sind und dies der Auswahl der Messstellen recht gibt. Das muss man erst mal verdauen.

Die anderen Vorschläge der GAL: Tempo-30-Zone unter Einbezug der umliegenden Straßen, bauliche Maßnahmen zur Temporeduzierung, Rechts-vor-Links-Regelung wurden abgelehnt.

sys


Der weiße Strich in der Kloster-Banz-Straße gilt künftig nicht mehr als Parkplatz-Begrenzungslinie. Geparkt werden darf nur noch auf der Fahrbahn, also nicht mehr auf der Bordsteinkante.


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