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Vergessenes Kleinod: Gärtnerstadt Bamberg 1.06.2017
Bauen+Denkmal, Aktuelles, BA-Thema, Kultur, Finanzen
Dickes Rettungspaket für die Sandkerwa, aber zum Erhalt der Gärtnerstadt werden nicht einmal schon bereitgestellte Almosen ausgezahlt.

Hintergrund

In Bamberg ist Tradition nicht gleich Tradition. Wenn zum Beispiel ein überregional beliebtes Kirchweih-Fest im 67. Jahr zu scheitern droht, steht die Verwaltung ganz schnell Scheck-Karte bei Fuß und arbeitet in Turbo-Geschwindigkeit einen Rettungsplan aus. Anders bei der Gärtnerstadt Bamberg – eine das Stadtbild prägende Kultur seit dem 13. Jahrhundert, bis heute in Teilen unverändert erhalten und deshalb als Weltkulturerbe von globaler Bedeutung. Hier erlahmt die Stadtverwaltung zum schnarchenden Murmeltier.

Für tagelange Schlagzeilen zu fraktionsvorsitzenden Verbalentgleisungen und serienreife Intrigen wie die Sandkerwa taugt die Gärtnerstadt Bamberg nicht. Ihr Erhalt wird eher hinter den Kulissen verhandelt, so etwa – scheinbar erfolgreich – bei den Haushaltsberatungen für das Jahr 2016. Die GAL beantragte zur Wiederbelebung des Projekts „Urbaner Gartenbau“ einen „Fonds Obere und Untere Gärtnerei“, der Prämien für den Gartenbau auf historischen Gärtnerflächen auszahlen sollte.

Voraussetzung für eine Förderung wären (nach den inzwischen erarbeiteten Kriterien des Welterbezentrums):

  • Historische Fläche im Stadtdenkmal
  • Mindestens 250 Quadratmeter groß
  • Gartenbau mindestens Mai bis September
  • Anbau von Gemüse oder Obst
  • möglich: Gemeinschaftsformen wie Solidarische Landwirtschaft SoLaWi oder Selbsternte-Gärten, nicht möglich: Ziergärten, Freizeitgärten, Schrebergärten

Die Prämie dafür sollte ein kleiner Anreiz, Anerkennung und Wertschätzung für die gärtnerische Nutzung der sonst brach liegenden Flächen sein, nichts zum reich werden. 20.000 Euro hatte die GAL beantragt, 10.000 Euro fanden eine Mehrheit im Stadtrat. (Dazu kamen in der Haushaltsstelle noch weitere 5.000 Euro, welche die CSU-Fraktion für Schulgartenpädagogik beantragt hatte.)

So weit, so gut – nur: Bis heute (Juni 2017) gibt es keine Prämie, kein Cent wurde ausgezahlt. Mit fadenscheinigen Argumenten wie dem, dass die Prämie eventuell den EU-Vorgaben zu Subventionen zuwider laufen könnte, zögerte die Verwaltung die Umsetzung lange hinaus. Inzwischen schiebt ein Amt die Zuständigkeit zum anderen, und das Welterbezentrum, welches sich ebenfalls für die Prämie einsetzt, wird hingehalten und hingehalten und hingehalten.

Dabei wäre es so wichtig, mit den Flächen angemessen umzugehen. Es handelt sich um Denkmäler des Stadtbildes, der Stadtstruktur und der Stadtgeschichte. Sie sind nicht aus Stein gemauert wie der Dom, aber ebenso wertvoll. Und ebenso wie man Dom, Residenz und Altes Rathaus baulich in Stand halten muss, brauchen auch Gärtnerflächen Pflege. Das bisschen Prämie wäre so gesehen ohnehin nur ein symbolischer Akt.

Um ein Rettungsangebot wie die Sandkerwa zu bekommen ist die Gärtnerstadt Bamberg vermutlich zu leise, zu bescheiden und zu selbstverständlich. Da sind nicht einmal Stadtratsbeschlüsse das Papier wert, auf dem sie protokolliert werden. Die GAL wird sich davon allerdings nicht entmutigen lassen.

sys



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