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Bushaltestellen, Platzgestaltung, Asphalt und – ja – auch Radwege! 1.02.2018
Verkehr, Aktuelles, BA-Thema
Die Behauptung, am Regensburger Ring investiere die Stadt mehrere Millionen in Radwege, ist falsch und billige Stimmungsmache.

Hintergrund

Häufig ist davon zu hören, dass die Stadt massiv Geld in den Radwegeausbau am Regensburger Ring investiert – von vielen Millionen ist da immer die Rede. Doch was ist tatsächlich dran an der Behauptung? Saniert wurde immerhin ein ganzer Straßenzug samt Einmündungssituationen – alles wegen dem Radverkehr … ist das eine faire Zuordnung?

Nein, ist es nicht, meint die GAL und beleuchtet einzelne Punkte der Sanierungsmaßnahme mal genauer.

 

Insgesamt soll die Sanierung des Regensburger Rings ca. 5,7 Mio Euro kosten, davon finanziert die Stadt mehr als die Hälfte durch Drittmittel, nämlich 3,14 Mio Euro. Es bleibt ein aus dem Stadthaushalt zu finanzierender Eigenanteil von 2,46 Mio Euro.

Als Anlass für die Sanierung der Strecke gilt zu Recht der Radverkehr: Bereits 2006 wurde ein Bestandsaudit für die Knotenpunkte Regensburger Ring/Margaretendamm und Regensburger Ring/Schweinfurter Straße unter besonderer Berücksichtigung des Radverkehrs durchgeführt. Im Ergebnis zeigten sich an beiden Knotenpunkten erhebliche Verkehrssicherheitsmängel. Es stellte sich heraus: „Zum Teil ist eine StVO-konforme Benutzung der Knotenpunkte durch Radfahrer nicht gegeben.“ (Zitat aus einem Sitzungsvortrag im Bausenat vom 3.12.2013).

2016 machte die Polizei umissverständlich klar, dass die Straßenverkehrsbehörde und der Straßenbaulastträger (also die Stadt Bamberg) in der Pflicht sind: „Aus Gründen der Verkehrssicherheit ist aus unserer Sicht eine bauliche Umgestaltung dieses Streckenabschnitts unabdingbar.“ (Zitat aus einem Schreiben der Polizeiinspektion Bamberg vom 01.02.2016 an die Stadt).

 

Als es 2016 endlich los ging und die Stadtratsmehrheit Geld bereitgestellt hatte, entscheid man sich auch gleich für den ganz großen Wurf und nahm sich eine umfassende Sanierung (auch der Magazinstraße und der Memmeldorfer Straße bis zur Unterführung) vor – und zwar viel mehr als nur den Radwegeausbau.

Dabei verschaffen gerade die Investitionen in den Radverkehr der Stadt erkleckliche Zuschüsse aus dem Fördertopf der Nationalen Klimaschutzinitiative (Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.stadt.bamberg.de/index.phtml?NavID=1829.1112&La=1). Schon allein deswegen sind die Rechenkünstler*innen der städtischen Kämmerei daran interessiert, die Ausgaben für Radwegeausbau möglichst hoch zu rechnen, um entsprechend mehr Zuschüsse zu erzielen.

Fünf Bushaltestellen wurden barrierefrei ausgebaut (vor der Ottokirche, vor der Luitpoldschule und das Bushäuschen bei der Sebastianikapelle/Friedhof) bzw. neu angelegt (vor dem Neubaugebiet Schaeffler-Gelände auf beiden Straßenseiten). Allein das schon dürfte ca. 500.000 Euro gekostet haben. Wobei 200.000 Euro (übrigens dank eines Antrags der GAL) von den Bauinvestoren des Schaeffler-Geländes bezahlt wurden, die laut städtebaulichem Vertrag zum Bau von zwei Bushaltestellen verpflichtet waren, was den städtischen Eigenanteil faktisch entsprechend reduziert.

Dass der Radwegverlauf bei den neuen Bushaltestellen neu geführt wurde, ist eine Folge des ÖPNV-Ausbaus. Dass die Einmündung an der Jäckstraße städtebaulich mit Baum neu gestaltet wurde, hat mit dem Radverkehr nichts zu tun. Und dass auf dem kompletten Streckenabschnitt der Fahrbahn-Asphalt erneuert wurde, ist selbstverständlich auch nicht den Radfahrer*innen zuzurechnen, die dort ja gar nicht fahren dürfen. Aber klar, all das kostet Geld, macht einen erklecklichen Teil der 5,7 Mio Euro aus und hat nichts mit dem Radverkehr zu tun!

Auch bei der neuen Ampelanlage an der Kreuzung zum Margaretendamm, jetzt sogar mit eigenen Fahrradampeln, könnte man sich lange darüber streiten, inwieweit diese Investition nun dem Radverkehr und/oder dem Autoverkehr angelastet werden muss. Notwendig und unstrittig war eine Radwegeführung, die dem motorisierten Verkehr beigeordnet wird, und nicht mehr wie vorher dem Fußverkehr. Daher mussten die so genannten „Räumzeiten“ der Straßenkreuzung neu organisiert werden, das sind die Zeiten, die nötig sind, bis alle Verkehrsteilnehmer*innen den Kreuzungsbereich verlassen haben. Das dauert bei Radfahrenden im Vergleich zum Auto naturgemäß etwas länger. Die Fahrradampeln berücksichtigen dies und geben den Radfahrenden ein eigenes entsprechendes Signal (länger Rot und kürzer Grün). Den Vorteil der Radfahrampeln haben so gesehen also die Autofahrer*innen, denn ihre Ampeln müssen die langsameren Radfahrer*innen nicht berücksichtigen.

 

Es wäre eine mühsame, strittige und kaum zielführende Zahlenschieberei, herauszufinden, wie viele Euros nun auf das Konto welches Verkehrsmittels bei der Sanierung des Regensburger Rings gehen. Keinesfalls aber stimmt die Aussage, es flössen über 5 Mio in den Radwegebau – das ist schlichtweg Quatsch.

sys

 

6.3.2014 - Roter Teppich - 07.03.2014 15:32

Grafik aus der Sitzung des Bausenats vom 6.4.2016 zur Sanierung von Regensburger Rings, Magazinstraße, Memmelsdorfer Straße.

2010 machte die GAL einen Pressetermin, um auf die Gefahren für Radfahrende am Regensburger Ring hinzuweisen ...

... hier insbesondere bei der Abzweigung Weidendamm.

Im März 2014 rollte die GAL dem Radverkehr an der Magazinstraße einen "Roten Teppich" aus. Mehr über die Aktion siehe Link unten.


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Kommentare zu diesem Artikel

Ferenc schrieb am06.02.2018 17:26 Uhr folgenden Kommentar:
Bliebe noch zu ergänzen, daß sich die Gefährdung der Radfahrer durch die Neugestaltung kaum verringern dürfte - es werden lediglich einige Gefahrenquellen durch andere ersetzt.

Statt des hochproblematischen und zudem unzulässig schmalen Zweirichtungsradwegs gibt es jetzt teilweise schmale Fahrspuren auf der Fahrbahn ohne ausreichende Seitenabstände zur ebenfalls nicht üppigen Kfz-Fahrspur.

Und auch weiterhin genügen die dem Fahrrad zugedachten Verkehrsflächen mitnichten den in einschlägigen Regelwerken festgelegten, teils verpflichtenden Qualitäts- und Sicherheitskriterien. Und noch immer gibt es in einer Fahrtrichtgung viel zu enge Gehsteige, was die dortigen benutzungspflichtigen Radwege, rechtlich betrachtet, ausschließt.

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