Von verwehten Winden und ungenutzten Sonnenstrahlen

Würde man in der Region Bamberg mehr erneuerbare Energien erzeugen, könnte man so richtig „Kohle“ machen.

Im vergangenen Jahr wurde im Auftrag der Klimaallianz eine Potenzialanalyse zum Ausbau von erneuerbaren Energien in der Stadt und im Landkreis Bamberg durch das Fraunhofer Institut UMSICHT erstellt. Das Ergebnis dieser Studie ist eindeutig: Die Region hat durchaus die Potenziale, bis zum Jahr 2030 energieautark zu werden. Doch um dies zu erreichen, muss man sich in der Region Bamberg ganz schön ins Zeug legen.

Nicht nur klima- und energiepolitisch ist dieses Vorhaben interessant – auch finanzpolitisch ist der Ausbau von erneuerbaren Energien für die Region Bamberg viel versprechend. Dies ist das Ergebnis der von Adelheid Rehmann verfassten Masterarbeit, die die energietechnischen Ergebnisse der oben genannten Fraunhofer-Studie mit den Ergebnissen einer Wertschöpfungsstudie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) verglich. Somit konnte sie Bambergs Potenziale im Bereich der erneuerbaren Energien aus dem Blickwinkel der regionalen Wertschöpfung analysieren.

Wertschöpfung als Kette von Einnahmen

Das Ergebnis dieser Berechnungen ist eindeutig: Die Region Bamberg hat ihre Möglichkeiten, vor Ort mit erneuerbaren Energien Gewinn zu machen, bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. „Die Erzeugung von erneuerbaren Energien ist deshalb für die regionale Wertschöpfung so interessant, weil sie eine ganze Kette von Einkommensmöglichkeiten auslöst. So profitieren bei der Stromerzeugung nicht nur Anlagenbetreiber, sondern beispielsweise auch das ortsansässige Handwerk und der Arbeitsmarkt durch zusätzliche Aufträge. Dies wiederum ermöglicht Kommunen zusätzliche SteuereinnahmenD, erklärt die Volkswirtin.

Eine Verkettung also, die – ungenutzt – fatale Folgen hat: Wenn die Region ihre Möglichkeiten nur ansatzweise wahrnimmt, versäumt sie Wertschöpfung gleich auf mehreren Ebenen – ein verpasstes Projekt, mehrfach verpasste Wertschöpfung.

Verzehnfachung wäre möglich

Dies wird deutlich, wenn man den aktuellen Ausbau der grünen Stromerzeugung mit den eigentlichen Potenzialen vergleicht: Machen wir so weiter wie bisher, beträgt die Wertschöpfung für die Jahre 2009 bis 2029 rund 90 Mio Euro. Würde jedoch über den gleichen Zeitraum das volle Potenzial genutzt werden, so wäre mit über 900 Mio Euro eine Verzehnfachung der Wertschöpfung möglich! „Würden dann auch noch die Anlagen innerhalb der Region produziert, so erhöhte sich der Wert auf über 1,1 Milliarden Euro. „Und diese Berechnungen beziehen sich alleine auf den Strommarkt,– der Wärmemarkt birgt natürlich noch weitere Potenziale in sich“, fügt Rehmann zu.

Doch die Fallstudie zeigt nicht nur die verpassten Einnahmen durch den bisher vernachlässigten Ausbau von erneuerbaren Energien. Sie verweist auch auf das Geld, das aus Bamberg abfließt – und zwar dorthin, wo in erneuerbare Energien investiert wird. Grund dafür ist der Finanzierungsmechanismus, der dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) unterliegt. Was Photovoltaik-Anlagen, Windrad-Betreiber oder Biogasbauern an höherer Vergütung für den von ihnen hergestellten Strom erhalten, wird über das EEG von den EndverbraucherInnen bezahlt. Und in der Region Bamberg lässt sich beobachten, dass genau der aus dem Verbraucher-Geldbeutel kommende Betrag deutlich höher ist als all die Einnahmen, die die Region durch den momentan vorhandenen Ausbau von erneuerbaren Energien erzielt.

Bamberg heute auf Verliererseite

„Natürlich wird im Laufe der Jahre durch sinkende Vergütungen und einen leicht sinkenden Stromverbrauch die Belastung nach und nach geringer ausfallen“, räumt Adelheid Rehmann ein. „Doch auf die 20 Jahre hochgerechnet – was der typischen Lebensdauer von Stromerzeugungsanlagen im Bereich der erneuerbaren Energien entspricht – bleibt die Region unterm Strich auf der Verliererseite. Um dies zu vermeiden, müssten Stadt und Landkreis zumindest die Hälfte der Potenziale ausschöpfen.“

Dass es sich hierbei um eine Modellberechnung handelt, die mit gewissen Vereinfachungen einhergeht, leugnet sie dabei nicht. Konsequenzen kann die Politik aus der Untersuchung gleichwohl ziehen, denn sie macht klare Tendenzen und Entwicklungspfade als Grundlage für zukünftige Entscheidungen aus.

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Wertschöpfung in der Region Bamberg durch erneuerbare Energien über 20 Jahre. Vergleich von Ist-Zustand und vorhandenen Potenzialen (ohne Anlagenbau)

   

Adelheid Rehmann absolvierte im Februar 2011 den Masterstudiengang European Economic Studies an der Universität Bamberg. Bis dahin war sie auch Vorstandsmitglied und Schatzmeisterin der GAL Bamberg. Inzwischen ist sie für das Bundesumweltministerium im Bereich kommunaler Klimaschutz in Berlin tätig.


Oberngruber Windrad

Beispielrechnung: Ein Windrad bläst 1,7 Mio Euro in die Region

Berechnet auf der Grundlage der üblichen Leistung (2 Megawatt) und Lebensdauer (20 Jahre). Unter Berücksichtigung der Wertschöpfung (verkaufter Strom, aber auch Wartungsarbeiten, Gewerbesteuer etc.), aber auch der Installation, des Abbaus und weiterer ökonomischer Faktoren. (Anlagenbau in der Region ist hier nicht berücksichtigt.)