SOMMERGRÜN-Radtour
auf den Spuren des Sozialen Wohnungsbaus

Drei Wochen nach der "OB-on-tour"-Radtour zu neuen Baugebieten in der Stadt machte sich´die GAL noch einmal auf denselben Weg. Im Fahrwasser der öffentlichkeitswirksamen OB-Route schaute die GAL mit Stadträtin Ursula Sowa an der Spitze vor Ort genauer hin und suchte nach dem, was Bamberg so dringend braucht: sozialen Wohnraum. Hier ein Steckbrief der einzelnen Stationen der GAL-Radtour, ergänzt um noch ein paar interessante Standort-Zugaben.

Fotos: sys, Text: sys/usa


Küchelstraße (Hain) „Augustenhof“

 

Was wird gebaut/ist geplant? 30 Miet-Wohneinheiten der Genossenschaft Gewobau sind derzeit im Bau

Anteil sozialer Wohnraum? Keine Sozialwohnungen, aber ausschließlich Mietwohnungen, Höhe der Miete noch unklar. Immerhin hat die Stadt in Verhandlungen Mietwohnungsbau erreicht, denn ursprünglich hatte der Bauträger nur Eigentumswohnungen vorgesehen. Dies wird von der Mehrheit des Stadtrates als soziale Komponente gewertet.

GAL-Einschätzung bzw. Alternativen? Man hätte mehr erreichen können, z.B. indem man in einem städtebaulichen Vertrag eine Höchstgrenze für die Miete festlegt. Das wäre möglich gewesen, wurde aber versäumt.


„Ulanenpark“ (ehemaliges Glaskontor-Gelände)

 

Was wird gebaut/ist geplant? In Aussicht gestellt sind 165 Wohneinheiten für ca. 400 Bewohner*innen

Anteil sozialer Wohnraum? Entlang der Hedwigstraße soll Geschoßwohnungsbau entstehen, Bauträger und Miethöhe unklar. Seniorenwohnungen (Bauträger: Stadtbau GmbH und Sozialstiftung), Miethöhe ist noch unklar.

GAL-Einschätzung bzw. Alternativen? Schlecht ist, dass das Gelände der ehemaligen Firma Glaskontor seit Anfang der 90er brach liegt und seither auf eine Bebauung wartet. Die Stadt war nicht gerade agil. Die jetzt geplante Entwicklung ist durchwachsen, kann aber noch beeinflusst werden (ein GAL-Antrag läuft). Positiv ist der Geschoßwohnungsbau an der Hedwigstraße, es kommt aber darauf an, was genau wie teuer gebaut wird. Die GAL will, dass die Stadtbau GmbH das übernimmt und Mieten in Höhe von 6 bis 7 Euro garantiert. Die in der Mitte des Gebiets vorgesehenen Eigentums-Reihenhäuser will die GAL aus der Planung nehmen, zugunsten von anderen bezahlbaren Wohnformen durch verdichtete Bauweisen, und zugunsten von mehr Frei- und Grünfläche.

 

 

Hüttenfeldstraße

 

Was wird gebaut/ist geplant? Hier wird eine heruntergekommene denkmalgeschützte Siedlung aus den 20er Jahren saniert, welche der von der Stadt verwalteten Bürgerspitalstiftung gehört. Es konnten erkleckliche Fördermittel an Land gezogen werden.

Anteil sozialer Wohnraum? Durch die Sanierung kam es zu geringfügigen Mieterhöhungen, die von den Bewohner*innen gut akzeptiert wurden. Bei der Vermietung wird auf soziale Kriterien geachtet (Stiftungsvorgabe).

GAL-Einschätzung bzw. Alternativen? Sehr positiv, insbesondere wird ein nachbarschaftliches Miteinander von den Bewohner*innen selbst gelebt.

 

 

Eberth-Gelände

 

Was wird gebaut/ist geplant? Hier sollen eigentlich 60 oder mehr Wohnungen entstehen

Anteil sozialer Wohnraum? Sogar 100%, sozial verträgliche Mieten, bislang aber nur ein Versprechen des Bauträgers Stadtbau GmbH

GAL-Einschätzung bzw. Alternativen? Das gesamte Gelände der Firma Eberth wurde von der Stadtbau GmbH angekauft. Auf einem Teil entstand (in Rekordzeit) die von den Brose Baskets gewünschte Trainingshalle für die Jugendmannschaft, die auch für die Jugendarbeit in der Gereuth genutzt wird: Einweihung war im Oktober 2015. Auf dem anderen Teil des Geländes soll sozialer Wohnungsbau entstehen, aber bisher wurde noch nicht einmal ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet.

 

 

Maisel-Gelände

 


Was wird gebaut/ist geplant? Nichts. Vor ca. acht Jahren war ein Bebauungsplan schon einmal weit gedieht, seither Stagnation.

Anteil sozialer Wohnraum? Null.

GAL-Einschätzung bzw. Alternativen? Gut geeigneter Wohnraum in Kombination mit einer Sanierung der denkmalgeschützten Ziegelbauten der ehemaligen Maisel-Brauerei. Sozialquote im Bebauungsplan wäre möglich. Investor stellte Pläne ein, offiziell, weil er sich auf andere Bauvorhaben konzentrieren wollte. Die Stadt müsste Druck machen, um eine Bebauung und einen Stopp des Denkmalverfalls zu erreichen.

 

 

Lagarde-Kaserne

 

Was wird gebaut/ist geplant? Bislang liegt nur ein Rahmenplan vor: Wohnen v. a. in Reihenhäusern (Eigentum)

Anteil sozialer Wohnraum? Bislang noch nicht fest geplant, nur in Sonntagsreden erwähnt.

GAL-Einschätzung bzw. Alternativen? Der Rahmenplan für das Konversionsgelände ging von der Lagard-Kaserne und den Warner-Barracks aus, also ca. 130 Hektar. Diese sind nun wegen der Bundespolizei und Flüchtlingsaufnahmezentren auf 17,5 Hektar geschrumpft, die in der Lagarde-Kaserne liegen. Hier lag der Planungsschwerpunkt auf Gewerbe und hochpreisiges Wohnen. Das muss sich dringend ändern. Tatsächlich soll der Rahmenplan aufgrund der neuen Situation überarbeitet werden, eine Sitzung einer Arbeitsgruppe aus Stadtrat und Verwaltung ist sogar in der sitzungsfreien Zeit im August anberaumt. Ergebnis offen. Nach Meinung der GAL können hier 500 Wohnungen für 1000 Bewohner*innen entstehen, wenn man die Wohnquote in dem Areal auf 50 bis 70% der künftigen Nutzung festlegt. Ein Teil davon ( 30-50%) muss sozial verträglich sein.

 

 

Spiegelfelder
(alte Gärtnerflächen zwischen Zollner-, Neuerb- und Brennerstraße)


Was wird gebaut/ist geplant? Nichts. Es gibt ein Bebauungsplanverfahren aus den 90er Jahren. Eine weitere Planung gab es im Rahmen des Eropanwettbewerbs 2015. Trotzdem sind die Planungen aufgrund schwieriger Eigetnumsverhältnisse wahrscheinlich nur Schubladenprojekte.

Anteil sozialer Wohnraum? Null.

GAL-Einschätzung bzw. Alternativen? Angesichts des akuten Wohnraummangels sollte das B-Plan-Verfahren wieder aufgenommen werden und entlang der Zollnerstraße in zweiter Reihe Bebauung möglich sein (hier sind derzeit v. a. Parkplätze und Garagenhöfe, kein Gärtnerland). Die Stadt müsste von sich aus aktiv werden und Grundstücksverhandlungen durchführen.

 

 

 

Färbergasse/Tocklergasse (im Gärtnerviertel)


Was wird gebaut/ist geplant? Zwei Wohnprojekte privater Baugruppen für gemeinschaftliches Wohnen im Bau

Anteil sozialer Wohnraum? Wohnungen in Gemeinschaftseigentum. Für Menschen mit geringem Einkommen ist die Beteiligung an den Wohnprojekten allerdings zu teuer.

GAL-Einschätzung bzw. Alternativen? Der GAL gefällt das Soziale in der Ausrichtung der Wohnprojekte (Nachbarschaftshilfe, Gemeinschaftsnutzungen, Car-Sharing, Mehrgenerationenwohnen usw.) und das Modell des gemeinschaftlichen und verdichteten Bauens mitten in der Innenstadt. Die beiden Baugruppen erhielten ihre Flächen von der Stadt als vorheriger Eigentümerin zwar nicht spergünstig, aber zuz einem gutachterlich festgestellten Preis, und das aufgrund eines Stadtratsbeschlusses. Ein Investor hätte an dieser Stelle richtig teuer gebaut und kräftig Rendite gemacht.

 

 

Schäffler-Gelände

 

Was wird gebaut/ist geplant? Insgesamt ca. 500 Wohneinheiten, ausschließlich Eigentumswohnungen

Anteil sozialer Wohnraum? GAL-Antrag auf eine im B-Plan festgelegte Quote für sozialen Wohnungsbau wurde abgelehnt.

GAL-Einschätzung bzw. Alternativen? Die GAL kritisiert hier fast ausschließlich hochpreisiges Wohnen mit noch dazu geringem Energiestandard (offizielle Begründung: Denkmalsubstanz). Nachdem ein Baufeld direkt beim Parkhaus zur Lichtenhaidestraße kaum noch zu verkaufen war, plante man hier um in kleine Reihenhäuser zu günstigen Preisen, was eine kleine soziale Komponente ins Schäffler-Gelände bringt.

 

ERBA-Gelände


Was wird gebaut/ist geplant? Hochpreisige Eigentumswohnungen, Studi-Wohnungen in der alten ERBA-Spinnerei v.a. als Geldanlage

Anteil sozialer Wohnraum? Null

GAL-Einschätzung bzw. Alternativen? GAL-Antrag auf eine im B-Plan festgelegte Quote für sozialen Wohnungsbau wurde abgelehnt. Die Stadtbau engagierte sich hier bezeichnenderweise mit zwei Projekten: 1. Bau einer unwirtschaftlichen Tiefgarage, 2. Kauf eines Mehrfamilien-Luxuswohnhauses, nachdem den Investoren die Pleite drohte. Alle Wohnungen wurden weiterveräußert, nur eine Mietwohnung wurde zurückbehalten und ohne soziale Komponente (Besonderheit!) vermietet, auch eine Ausschreibung diese Mietwohnung ist der GAL nicht bekannt.

 

 

Ochsenanger

 

Was wird gebaut/ist geplant? In den 90er Jahren fertiggestellt. Eigentums-Reihenhäuser zu günstigen Preisen mit sozialen Zugangsvoraussetzungen.

Anteil sozialer Wohnraum? Nicht für Menschen mit sehr geringem Einkommen, aber immerhin Ermöglichen von Eigenheimen für Menschen mit Einkommen an der unteren Mitte.

GAL-Einschätzung bzw. Alternativen? Der GAL gefällt das Siedlungskonzept mit Gemeinschaftsflächen und einem Gemeinschaftshaus, einem Sprecherrat aller Bewohner*innen, Parken nur außerhalb der Siedlung, experimentelle, moderne, ökologische Bauweise.